Was macht uns Menschen wirklich glücklich?

Im Welt-Glücksbericht der Vereinten Nationen erreichte Deutschland 2018 Platz 15 von 156. Es scheint uns also gar nicht so schlecht zu gehen. Aber deckt sich dein persönliches Glücksempfinden mit diesem Durchschnittswert? Die meisten Menschen jagen dem Glück kopflos hinterher. Sie denken, dass ihr Leben plötzlich erfüllt wäre, wenn sich nur eine oder einige wenige Dinge ändern würden. Sie wären gerne wohlhabender, dünner oder mächtiger, würden das Single-Leben hinter sich lassen oder endlich diesen fetten Ferrari kaufen können. Dabei zeigen die Schlagzeilen immer wieder, dass reiche, berühmte und schöne Menschen nicht automatisch ein erfülltes Leben führen – bei manchen scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. Was also ist der Schlüssel zum persönlichen Glück?

Mehr Arbeit, mehr Anerkennung, mehr Glück?

Die Australierin Bronnie Ware veröffentlichte vor ein paar Jahren ein bemerkenswertes Buch: In „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ berichtet die ehemalige Palliativkrankenschwester davon, was ihr totkranke Menschen am Ende ihres Lebens anvertraut haben. Immer wieder bereuten Patienten, dass sie versucht haben, die Erwartungen anderer zu erfüllen, statt so zu leben, wie sie es wollten. Viele Sterbende erzählten auch, dass ihnen einfach Freude und Freunde im Leben fehlten – weil sie sich selbst zu wenig gegönnt haben und weil sie Kontakte zu lieben Menschen abreißen ließen. Am überraschendsten ist wohl, wie viele der Patienten am Lebensende sagten, dass sie zu viel und zu hart gearbeitet hätten. Bronnies fast neunzigjähriger Patient John erkannte zum Beispiel, dass er Erfüllung immer in seiner Arbeit gesucht hatte und dabei den Status, der mit seinem geschäftlichen Erfolg verbunden war, genossen hat. Deshalb schob er seinen Rentenbeginn immer weiter nach hinten. Seine Frau, die ihm ein lebenlang den Rücken freihielt und als Rentnerin unbedingt mit ihrem Mann reisen wollte, verstarb schließlich wenige Monate vor seinem nach langem Zögern geplanten Renteneintritt. Und John blieb am Lebensende als einsamer alter Mann zurück.

In unserer Gesellschaft werden Anerkennung und Wertschätzung hauptsächlich über Geld ausgedrückt. Macht und Einfluss ergeben sich meist aus der beruflichen Position. Kein Wunder also, dass der Job im Leben vieler Menschen so einen hohen Stellenwert hat. Das Problem dabei ist: Wer seinen Job verliert, wechselt oder aufgibt, verliert plötzlich mächtig an Einfluss und Bedeutung in seinem kleinen beruflichen Kosmos. Das vermeintliche Glück, das durch endlose Arbeit erzeugt wird, ist also gar nicht beständig. Jeder Mensch sollte sich unbedingt eine Frage stellen: Was bliebe in deinem Leben übrig, wenn dein Job plötzlich weg wäre? Deprimiert dich die Antwort, ist es höchste Zeit für einen Veränderung.

Den Beruf sinnvoll ins Leben integrieren

Nun will ich dir nicht sagen, dass du zum Glücklichsein unbedingt deinen Job kündigen musst und sofort mit deinem Partner (oder alleine) reisen sollst. Ja, für manche ist das genau der richtige Weg: Sie stehen mitten im Berufsleben und spüren plötzlich den Drang nach einer Pause. Eine Auszeit, die mit einer Weltreise gefüllt wird, oder ein Umstieg auf remotes Arbeiten kann für diese Person zu einem glücklichen Leben führen. Aber zwischen den Extremen „viel arbeiten“ und „gar nicht arbeiten“ gibt es ein riesiges Spektrum. Um glücklich zu werden, musst du für dich den perfekten Punkt auf diesem Spektrum finden. Das klappt meist nur durch Versuch und Irrtum. Hier kommt auch die viel beschworene Work-Life-Balance ins Spiel. Keine Angst, niemand zwingt dich, jetzt mit Yoga anzufangen, um deine innere Mitte zu finden oder so. Für jeden sieht das Verhältnis zwischen Freizeit und Arbeitszeit anders aus.

Macht Geld glücklich?

Geld und eine sinnvolle Aufgabe sind eine wichtige Basis für ein erfülltes Leben. Sie sind nur eben nicht alles. Forscher der US-amerikanischen Purdue University wollen eine Art Geld-Glücksgrenze entdeckt haben: Laut ihrer Studie aus dem Januar 2018 sind Menschen weltweit mit einem Jahreseinkommen von durchschnittlich 95.000 Dollar am zufriedensten. Das entspricht rund 82.000 Euro. Damit lassen sich alle Grundbedürfnisse und die wichtigsten Wünsche erfüllen. Wer mehr verdient, wird nicht automatisch glücklicher. Im Gegenteil sinkt das Glücksgefühl der Probanden mit einem steigenden Einkommen. Laut einer Langzeitstudie aus Harvard lassen hingegen stabile Freundschaften und Beziehungen voller Vertrauen und gegenseitiger Unterstützung die Glückskurve steil ansteigen. Und solche Beziehungen kannst du bekanntlich nicht kaufen, sondern musst sie über einen langen Zeitraum aufbauen und pflegen.

So findest du dein persönliches Glück

Mehr arbeiten, um viel Geld anzuhäufen und damit glücklich zu werden? Funktioniert nicht. Bei der Wahl deines Jobs solltest du dich daher nicht ausschließlich am Verdienst orientieren. Deine Arbeit trägt zu deinem Glück bei, wenn sie dir eine sinnvolle Aufgabe gibt und dir genug Zeit für dich selbst, für private Beziehungen und für Hobbys lässt. Genau diese Bereiche musst du pflegen. Sonst sitzt du möglicherweise in ein paar Jahrzehnten wie John im Altersheim und wunderst dich, warum du dich einsam und unerfüllt fühlst.

Bildquelle: bowie15 / 123RF Standard-Bild

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