Früher war das Wort des Chefs im Unternehmen Gesetz und sollte/durfte nach Möglichkeit nicht hinterfragt werden. Das hat sich – nicht zuletzt dank effizienter Kommunikationstechnologien- grundlegend geändert. Heutzutage ist es erwünscht oder vielleicht sogar erforderlich, dass sich Mitarbeiter aktiv einbringen und selbstständig Aufgabenbereiche übernehmen. Die betrieblichen Hierarchien sind bewusst flacher geworden. Vielleicht gehörst auch du zu denjenigen, die ihren Chef duzen dürfen? Unübersehbar ist, dass sich der Führungsstil von autoritär hin zu moderierend deutlich geändert hat. Hintergrund ist, dass Mitarbeiter zu einer selbstständigen Arbeitsweise befähigt werden sollen bzw. auch Sicht der Arbeitspsychologie sogar müssen. Denn nur zufriedene Mitarbeiter sind motiviert und zu täglichen Höchstleistungen bereit…

Kurzer Abriss zum aktuellen Status quo

Abgetrennte Arbeitsbereiche wie noch vor wenigen Jahren gibt es heute nicht mehr. Als Mitarbeiter, egal in welchem Unternehmen, agierst du eigentlich immer in netzwerkartigen Strukturen. Viele Fachbereiche sind so komplex geworden, dass Mitarbeiter oft mehr wissen, als ihr Chef oder direkter Vorgesetzter. Alleine dies macht deutlich, dass es keine Alternative mehr zum selbstständigen Arbeiten gibt. Und da sich auch die Hierarchien in Betrieben abgeflacht haben, braucht es auf der Seite der Vorgesetzten einen neuen Führungsstil. Gefragt ist heute ein moderierender, transformationaler Führungsstil, der Mitarbeiter mitreißt und motiviert. Von wenigen Jahrzehnten haben viele Mitarbeiter noch stumm und stur Befehle ‚von oben‘ befolgt, heute fordern sie selbstbewusst Mitsprache ein. Und letztlich fordern Mitarbeiter eine selbstständige Arbeitsweise durch Home Office und andere Elemente der Work Life Balance aktiv ein. Unternehmen müssen in diesem Sinne eine agile Kultur schaffen, die Ziele und Interessen von allen Beteiligten bestmöglich unter einen Hut bekommt.

Selbst und ständig arbeiten: Auf die richtigen Rahmenbedingungen kommt es an

Arbeitspsychologen weisen schon seit langem darauf hin, dass Einbindung und Autonomie im Arbeitsbereich die Grundlagen für Zufriedenheit sind. Und wer auf zufriedene Mitarbeiter setzen kann, wird in der Regel ein hohes Maß an Produktivität in der Abteilung bzw. im ganzen Unternehmen nutzen können. Wenn du in einer Führungsrolle andere zu mehr Selbstständigkeit befähigen willst, musst du zuerst bei dir bzw. beim Führungsstil anfangen.

Änderungen fangen im Kopf an

Vielleicht hast auch du noch andere Vorstellungen im Kopf: Aus dem ursprünglichen Leader ist in den letzten Jahren immer mehr ein zuhörender Coach geworden, der Interessen managed. Neben betrieblichen Zielen gilt es, sich auch mit Zielen und Motivationslagen von Mitarbeitern auseinanderzusetzen. Wer das schafft, legt die Basis für eine produktive, auf Selbstständigkeit basierende Arbeitsatmosphäre. Wenn du in einer führenden Rolle im Unternehmen Mitarbeiter zu einer selbstständigen Arbeitsweise befähigen willst, musst du ’nur‘ die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Denn von Natur aus werden die meisten Mitarbeiter danach streben, möglichst selbstständig ihren eigenen Aufgabenbereich zu übernehmen. Alles andere würde auf Dauer zu Resignation und Demotivation führen, und damit wäre keinem geholfen!

Selbstständig arbeiten: Warum überhaupt?

Vielleicht fragst du dich jetzt, ob es nicht zielführender wäre, wenn nur einer das Sagen hätte und alle Aufgaben einfach nur delegieren würde. Das mag früher funktioniert haben, heute aufgrund omnipräsenter Kommunikationskanäle und einem hohen Spezialisierungsgrad aber nicht mehr. Und wer sagt denn, dass einer wirklich Ahnung hat? Es ist erwiesenermaßen besser, auf die Weisheit der vielen zu setzen! Dort, wo der Einzelne schnell an seine Grenzen stößt, kommt es auf ein kommunikatives und gut vernetztes Miteinander an. Werden Mitarbeiter zu selbstständig arbeitenden Wesen, so gleicht dies einem wuseligen Ameisenhaufen. Auf den ersten Blick erscheint alles konfus, doch in Wirklichkeit arbeiten alle sehr eifrig am selben Ziel. Dies setzt natürlich voraus, dass es ein gemeinsam definiertes Ziel sowie eine gemeinsame Unternehmenskultur gibt!

Selbstständigkeit darf nicht beim Denken enden: Handlungsorientierung ist gefragt!

Du kennst bestimmt Beispiele von Mitarbeitern, die revolutionäre Ideen haben, diese aber aufgrund der Angst vor Zurückweisung nicht vorbringen. Führungskräfte, die das verhindern wollen, müssen eine offene Kommunikationskultur schaffen und diese selber vorleben. Nur wer anderen Verantwortung, Freiräume und ein gewisses Gewicht im Betrieb einräumt, wird auf Dauer von den Vorteilen einer selbständigen Arbeitsweise profitieren können. Die Vorteile jedenfalls wurden in zahlreichen Studien aus dem Bereich der Arbeitspsychologie bestätigt:

  • autonom arbeitende Mitarbeiter sind zufriedener & motivierter
  • die Produktivität lässt sich als Wettbewerbsfaktor nachhaltig steigern
  • es gibt weniger Ausfallzeiten

Mit diesen Mitteln kannst du Mitarbeiter zu mehr Selbstständigkeit anleiten

  • offene Aufgabenbereiche mit eigenen Entscheidungskompetenzen
  • Erfahrung von Selbstwirksamkeit durch Feedback
  • Setzen von realistischen Zielen
  • offene Kommunikation als Vertrauensbasis
  • Einbindung bei wichtigen Entscheidungen

In erster Linie wird die Grundlage für selbstständiges Arbeiten mit dem Aufgabenbereich geschaffen. Dieser sollte eigene Entscheidungskompetenzen beinhalten, sodass Mitarbeiter im Sinne der Psychologie ihre Selbstwirksamkeit erfahren können. Es ist wirkt vollkommen demotivierend, immer alles absegnen lassen zu müssen! Und letztlich hat die Selbstständigkeit von Mitarbeitern ja auch das Ziel, Führungskräfte zu entlasten, damit diese sich auf ihre Kernaufgaben fokussieren können. Ideal ist es, wenn Mitarbeiter ihr eigenes Projekt betreuen dürfen, und zwar in Verbindung mit realistischen Zielen. Durch Lob und Feedback haben es Führungskräfte aktiv in der Hand, Mitarbeiter in ihrer Selbstständigkeit zu stärken bzw. diese in die richtige Richtung zu lenken. Aktive Kommunikation und Einbindung sind in diesem Sinne wichtig, damit alle auf ein Ziel hin arbeiten. Ist das nicht gegeben, so können die besten Grundlagen für selbstständiges Arbeiten letztlich nicht zielführend sein.

Fazit: Ein Ausblick auf die Zukunft der Personalführung

Strikte Hierarchien, starre Anreiz- und Belohnungssysteme und eine Führung von oben herab gehören der Vergangenheit an. Denn gerade diese Kernelemente des ‚traditionellen unternehmerischen Denkens‘ verhindern jede Form von selbstständiger Arbeit. Mehr noch: Sie lassen sich mit komplexen und dynamischen Arbeitsprozessen sowie zeitgemäßen Netzwerkstrukturen überhaupt nicht mehr vereinbaren.

Heute sind Chefs gut beraten, eine moderierende Rolle als Coach einzunehmen. Der Wandel hin zum transformationalen Führungsstil zeigt, dass es auf die richtigen Rahmenbedingungen für die Unterstützung der Selbstständigkeit von Mitarbeitern ankommt. Mitarbeiter wollen sich heutzutage als wichtigen Teil des Ganzen wahrnehmen. Führungskräfte sehen sich mehr als jemals zuvor vor der Herausforderung, zwischen betrieblichen und persönlichen Zielen zu vermitteln.

Wenn du in einer (neuen) Führungsrolle optimale Rahmenbedingungen für selbstständige und letztlich motivierte Mitarbeiter legen willst, dann gilt es, Visionen aufzuzeigen und Mitarbeiter zu inspirieren. Mit Blick auf neue Kommunikationstechnologien und die rasant voranschreitende Entwicklung ist in Analogie zum Konzept ‚Industrie 4.0‘ immer öfter vom ‚Arbeiten 4.0‘ die Rede. Abgesehen von unverzichtbaren Fachkenntnissen rücken persönliche Eigenschaften (soft skills) wie Empathie oder Kommunikationsstärke immer mehr in den Mittelpunkt.

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Bildquelle: ismagilov / 123RF Standard-Bild

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