Die Angst zu scheitern kennt vermutlich jeder. Oft ist sie der Grund dafür, dass wir gar nicht erst versuchen, unsere Träume umzusetzen. Viele erfolgreiche Unternehmer sind vor ihrem großen Erfolg mehrere Male gescheitert. Doch sie haben alle eines gemeinsam: Sie haben nicht aufgegeben. In diesem Artikel werde ich dir verdeutlichen, wie du deine Angst zu scheitern in etwas Positives verwandeln kannst, das dir Motivation für deine angehende Selbstständigkeit geben wird.

Was genau bedeutet Scheitern überhaupt?

Scheitern – ein schönes Wort ist es nicht unbedingt, aber was genau bedeutet es denn überhaupt in unserem Sprachgebrauch? Scheitern wird meist mit Misserfolg und Versagen gleichgesetzt. Es ist also kein Wunder, dass es eine förmliche Angst zu Scheitern gibt. Denn wer möchte schon versagen und Misserfolg haben? Laut Duden bedeutet Scheitern ein angestrebtes Ziel oder Ähnliches nicht zu erreichen. Doch wer genau setzt dieses Ziel fest? Normalerweise man selbst. Wenn man sich also von Vornherein unerreichbare Ziele setzt, dann ist es auch recht wahrscheinlich, diese nicht zu erreichen und somit also laut Sprachgebrauch zu scheitern. Stattdessen sollte man sich also Ziele setzten, die erreichbar sind.

Scheitern ist aber immer auch eine Frage der Perspektive. Der Erfinder der Glühlampe, Thomas Alva Edison, benötigte etwa 6.000 Anläufe, bis er es schaffte, den ersten Kohlefaden in einer Lampe zum leuchten zu bringen. Zu seinen ersten 2.000 Fehlversuchen sagte er jedoch zunächst: „Ein Misserfolg war es nicht. Denn wenigstens kennt man jetzt 2.000 Arten, wie ein Kohlefaden nicht zum Leuchten gebracht werden kann.“ Es ist eben eine Frage der Perspektive. Auch wenn das gewünschte Ergebnis (noch) nicht erzielt ist, wieso sollte man aufgeben? Stattdessen kann man etwas Positives aus der Situation herausziehen. In jedem Scheitern steckt auch eine Chance. Denn Edison wusste, dass er seinem Ziel immer näher kommt, auch wenn er bisher zahlreiche Male „scheiterte“. Für ihn war es jedoch kein Scheitern, sondern der Weg zum Ziel. Was wäre gewesen, wenn Edison nach 2.000 Versuchen aufgegeben hätte? Er hätte die Glühlampe vermutlich niemals erfunden. Doch er hat nicht aufgegeben und so können wir auch im Dunkeln bequem mittels eines Schalters das Licht anschalten.

Was soll im schlimmsten Fall geschehen?

Hast du Angst zu scheitern? Wie genau sieht deine Angst aus? Hast du dir einmal bildlich vorgestellt, was genau im schlimmsten Fall passieren kann? Ich meine, stelle dir den wirklich allerschlimmsten Fall vor, der eintreten könnte: Was genau soll denn passieren? Es wird sicherlich niemand verletzt werden und im Nachhinein könntest du auch wieder etwas anderes machen, wenn es denn mit der Selbstständigkeit wirklich nicht klappen sollte. Du wirst auch wieder einen Angestellten-Job annehmen können, wenn du merkst, dass die Selbstständigkeit doch nichts für dich ist. Es kann dir einfach nichts Schlimmes geschehen.

Das Einzige, was ich bisher bei manchen Projekten „verloren“ habe war etwas Geld. Aber nicht umsonst gibt es das Wort „Lehrgeld“. Dafür habe ich auf der anderen Seite nämlich etwas viel wertvolleres erhalten: Erfahrung. Und deshalb denke ich auch nicht, dass ich Geld „verloren“ habe, sondern dass ich es investiert habe. In mich und in meine Selbstständigkeit. Auch wenn das ein oder andere Projekt nicht erfolgreich lief, es hat mich trotzdem nach vorne gebracht. Genau dahin, wo ich jetzt bin. Ich weiß nicht wo ich wäre, wenn ich die Rückschläge nicht erlebt hätte.

I never lose. Either I win oder I learn (Nelson Mandela)

Und das führt mich auch direkt zum nächsten Punkt – nämlich den Fakt, dass du die Angst zu scheitern sogar zu deinem Vorteil nutzen kannst. Wenn du dir erst einmal bewusst macht, dass dich Scheitern sogar einen großen Schritt nach vorne bringen kann.

Wie man durch Scheitern erfolgreich wird

Ich lese mir gerne Interviews mit erfolgreichen Selbstständigen durch, die es geschafft haben sich ein kleines Imperium aufzubauen und viele hundert oder tausend Angestellte beschäftigen können. Wenn sie dann nach dem Geheimnis ihres Erfolgs gefragt werden, ist die Antwort häufig die gleiche:

Aufstehen, wenn es mal nicht geklappt hat und weitermachen!

Denn auch wenn du deine Selbstständigkeit startest und dein erstes Projekt nicht gelingt – lass dich dadurch nicht vom Weg abbringen. Du fühlst dich dazu berufen selbstständig zu sein? Dann setze auch alles daran, dass du es weiter bleibst. Gerade durch ein „Scheitern“ wirst du so viel lernen können. Wenn es immer nur erfolgreich und bergauf geht, dann sind die Lerneffekte eher gering. Wer dagegen öfters mal in Schwierigkeiten kommt oder mit einem Projekt scheitert, der wird zahlreiche Lehren hieraus ziehen können.

Prominente Beispiele sind Henry Ford oder Walt Disney, die beide vor ihren großen Erfolgen zahlreiche Male scheiterten und pleite gingen, bevor sie es endlich schafften und sich ein Imperium aufbauen konnten. Man kann eben noch so viele Bücher zur Selbstständigkeit lesen und sich so viel Theorie aufsaugen wie nur geht – am Ende gibt es nichts besseres als eigene (Praxis-)Erfahrungen.

Woher die Angst zu scheitern kommt

Ihre Wurzeln hat unsere Angst zu scheitern meist schon in der Kindheit. Dahinter steht der Wunsch nach Akzeptanz und Liebe. Viele Menschen lernen schon sehr früh, dass sie nur geliebt werden, wenn sie sich angepasst verhalten. Wenig später kommt ein zweiter Glaubenssatz dazu: Akzeptiert werden wir nur dann, wenn wir Leistung bringen. Leistung ist aus dieser Perspektive das, was andere von uns erwarten.

Ein Grundvertrauen in die eigenen Möglichkeiten kann auf dieser Basis nicht entstehen. Außerdem ist eine solche Sicht schwarz-weiß. Eine Brücke zwischen Scheitern und Erfolg ist darin nicht vorgesehen.

Die Sache mit der „German Angst“

Im Englischen gibt es einen Begriff, der direkt aus der deutschen Sprache eingewandert ist. Die „German Angst“ beschreibt einen Charakterzug der Deutschen, wie er von Briten und Amerikanern wahrgenommen wird. Aus ihrer Perspektive sind wir angstgeplagt: Wir suchen Sicherheit und fürchten uns davor, etwas zu verändern. Wer scheitert, hat seine Chance auf Erfolg verspielt. Eine zweite Chance wird es nur selten geben.

Findest du, dass diese Beschreibung auf dich zutriffst? Du bist unzufrieden in deinem Job? Du willst anfangen, für einen Marathon zu trainieren? Du siehst einen Menschen, der dich fasziniert und wünschst dir, mit ihm oder ihr in Kontakt zu kommen? Aber du traust dich einfach nicht. Im Kern geht es dabei um negative Glaubenssätze. Du meinst, dass du nicht gut genug bist und das, was du dir wünschst, gar nicht schaffen kannst. Wenn du es versuchst, wirst du sehr wahrscheinlich scheitern – und hast damit die einzige Chance dafür verspielt.

Geschichten vom Scheitern – ein Perspektivenwechsel

Zwei Beispiele zeigen, dass es auch anders geht.

Legendär ist eine Geschichte, die bei IBM passiert sein soll. Durch den Fehler eines Produktentwicklers hatte das Unternehmen zehn Millionen Dollar eingebüßt. Natürlich war der Betreffende sicher, das seine Entlassung oder Schlimmeres folgen würden. Der Konzernchef sah es jedoch völlig anders: Warum sollte er jemanden entlassen, dessen Ausbildung ihn gerade einen Millionenbetrag gekostet hatte?

Mindestens ebenso spannend ist, wie „Harry Potter“ in die Welt kam. Viel zu verlieren hatte Joanne K. Rowling nicht, als sie begann, ihr Buch zu schreiben. Sie war arbeitslos, alleinerziehend und schrieb den ersten Band des Weltbestsellers im Café, weil ihre Sozialhilfe nicht für die Heizung reichte. Nach landläufigen Maßstäben war sie gescheitert und hatte sich auch noch einer brotlosen Kunst verschrieben. Heute gehört sie zu den Top 10 der weltweit erfolgreichsten Autoren.

Gescheitert bist du, wenn du aufgibst

Scheitern gehört zum Leben – folglich brauchst du keine Angst davor zu haben. Wichtig ist nicht der der Erfolg an sich. Er stellt sich ein, wenn du zwei Dinge fest im Blick behältst:

  • Du kannst es schaffen und dein Ziel erreichen. Umwege sind dabei inklusive und haben mit Scheitern nichts zu tun.
  • Gescheitert bist du dann, wenn du wegen deiner Angst davor schon den ersten Schritt auf dem Weg dorthin vermeidest oder aufgibst, wenn sich der erste Rückschlag einstellt. Der amerikanische Unternehmer Henry Ford fasste diesen Punkt einmal so zusammen, dass es viel mehr Menschen gibt, die aufgeben als solche, die tatsächlich scheitern. Durch Rückschläge und Misserfolge sammelst du Erfahrungen. Das nächste Mal wirst du es besser machen.

3 Fragen gegen die Angst zu scheitern

Die Angst zu scheitern beginnt im Kopf. Drei Fragen helfen dir dabei, sie zu überwinden:

1. Was kann dir im schlimmsten Fall passieren?

Das Worst-Case-Szenario besteht vermutlich darin, dass du Angst hast, deine Stelle, deinen Besitz und damit die Akzeptanz anderer Menschen zu verlieren. Du räumst diese Gedanken aus, indem du andere positive Szenarien formulierst. Was passiert dir wirklich? Kannst du „überleben“? Werden deine Familie und deine Freunde zu dir stehen? Du wirst feststellen, dass das Leben auch nach dem Worst Case weitergeht.

2. Welche Erwartungen hast du an dich selbst?

Viele Projekte kommen gar nicht erst zustanden, weil Menschen zu hohe Erwartungen an sich haben. Perfektionismus zieht Selbstzweifel nach sich, die jede Aktivität blockieren können. Hohe Erwartungen sind sinnvoll, wenn sie sich auf Dinge beziehen, auf die du Einfluss hast. Als ein Beispiel: Wenn du gründen willst, solltest du von deinem Geschäft etwas verstehen. Zunächst nicht beeinflussen kannst du, wie deine potentiellen Kunden auf dich und deine Angebote reagieren. Jedoch kannst du jederzeit falsche Strategien korrigieren – und wirst gerade dann auch persönlich überzeugen.

3. Was bedeutet für dich Scheitern?

Mit dieser Frage bringst du deine Ängste auf den Punkt. Mit einer Rückschau auf Erfolge und nicht erreichte Ziele findest du heraus, was Scheitern für dich heißt, wo es objektive Gründe dafür gab und was dich vom Weitermachen in konkreten Situationen abgehalten hat. Sehr wahrscheinlich findest du heraus, dass frühere Misserfolge wichtig dafür waren, dass du heute in der Lage bist, ein neues Projekt zu planen.

Immer wieder aufstehen

Lass dich nicht entmutigen. Gehe deinen Weg und höre auf deine innere Stimme. Die Meinung anderer zu deiner Selbstständigkeit spielt keine all zu große Rolle. Du kannst sie dir natürlich anhören, aber wenn du fest von etwas überzeugt bist, dann solltest du auch den entsprechenden Weg einschlagen. Sobald dich jedoch ernsthafte Zweifel überkommen, solltest du dein Projekt objektiv in Frage stellen. Das heißt aber nicht, dass du es an den Nagel hängen musst. Vielmehr solltest du überlegen, was genau du verbessern kannst. Oder ob du sogar noch bessere Ideen im Kopf hast. Dabei solltest du dich aber nicht zu sehr ablenken lassen. Ich hatte zu Beginn meiner Selbstständigkeit den Kopf auch voller Ideen und ich wollte am liebsten sofort alle gleichzeitig umsetzen. Das funktioniert aber nur in den seltensten Fällen. Konzentriere dich lieber zunächst auf eine Idee und versuche diese bis ins Detail zu optimieren. Anschließend kannst du dann weitere Ideen umsetzen.

Fazit

Die Angst zu scheitern beginnt im Kopf. Die Ursache dafür sind meist keine objektiven Hindernisse, sondern überzogene Erwartungen und negative Glaubenssätze. Du kannst sie überwinden, wenn du dein Mindset änderst. Scheitern bedeutet nicht das Ende – vielmehr ist es ein Schritt auf dem Weg, auf dem du deine Ziele umsetzt.

Wenn man etwas Neues und Innovatives erschaffen will, dann muss man damit rechnen, dass es nicht unbedingt im ersten Anlauf klappt. Es werden immer Hürden kommen, die es gilt zu überwinden. Scheitern gehört oft zum erfolgreich sein dazu. Und es gehört vom allem im Lernprozess dazu. Wer akzeptiert, dass es förderlich sein kann zu scheitern, der macht sich das Leben um einiges leichter.

Bildquelle: ileezhun / 123RF Standard-Bild

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